Alphabetisierungsprogramm für Willkommensklassen -
Der Trick mit dem Buchstabengeländer

(Kommentar zu: Deutsch als Zweitsprache Erste Schritte – Pfad 1  Rohr Verlag)

Dieses Buch ist von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft dem Starterpaket für Willkommenslehrer an Berliner Schulen beigelegt worden. Ich halte die vorgestellte Methode der Alphabetisierung für sehr effektiv. Sie ist offen für die Heterogenität der Schüler in Willkommensklassen und ermöglicht als Grundkurs viele  individuelle Differenzierungsmaßnahmen.

In dem Buch wird eine lehrwerkunabhängige Methode zur Alphabetisierung und Einführung in Laute,  Silben, Buchstaben und Worte der deutschen Sprache vorgestellt. Diese Methode ist für Schüler ohne deutsche Sprachkenntnisse in Willkommensklassen gedacht und entwickelt. Der Zeitrahmen zur Alphabetisierung sog. Seiteneinsteiger ist knapp. Sie sollen möglichst schnell in die Regelklassen überwechseln.  

Den Autoren ist die Heterogenität der Schüler einer Willkommensklasse bewusst.  Es wird von sechs Gruppen mit unterschiedlichem Vorwissen ausgegangen und zur Differenzierung des Unterrichts werden Vorschläge gemacht. Im Folgenden soll in groben Zügen die Methode der Alphabetisierung und Einführung in die deutsche Sprache vorgestellt werden.

Da man in einer Willkommensklasse laufend mit neuen Schülern und abgehenden Schülern rechnen muss, empfiehlt es sich, diese Methode kreisförmig ganzjährig immer wieder durchzuführen. Neue Schüler können leicht „aufspringen“, erfahrenen Schüler vertiefen mit differenzierenden Maßnahmen ihre Kenntnisse.

Im Zentrum steht das sog. Buchstabengeländer, das jeder Schüler in Händen hält und bei Bedarf nutzt. Die fünf Streifen des Buchstabengeländers bestehen aus Anlautworten/Buchstaben, die eingeführt werden. Jeder dieser Streifen wird nach dem immer gleichen Muster vorgestellt und erarbeitet.

 

Erarbeitung der Streifen des Buchstabengeländers, d.h. der Laute/Buchstaben

(während jeder Phase können/müssen Aufgaben in differenzierter Form angeschlossen werden).

  • Schritt 1: Der Einstieg in die Alphabetisierung beginnt damit, dass die SuS Arbeitsblätter erhalten und daraus jeder sein eigenes Buchstabengeländer (siehe Abbildung oben) ausschneidet und zusammenheftet. Bei dieser Aufgabe wird u.a. offensichtlich, wie die feinmotorischen Fähigkeiten der SuS ausgebildet sind.  
  • Schritt 2: Die SuS lernen die Bezeichnungen für die Gegenstände (Abbildungen auf AB) auf den ersten beiden Buchstabenstreifen des Buchstabengeländers kennen und benennen (Bearbeitung der Streifen nacheinander!). Immer wieder wird die Bezeichnung der Gegenstände mdl. mit unterschiedlichen Übungen in verschiedenen Sozialformen geübt. Es empfiehlt sich, von Anfang an die Nomen mit dem passenden Artikel einzuführen und wie Vokabeln zusammen auswendig lernen zu lassen.

  • Schritt 3: Die Anlaute der abgebildeten Gegenstände werden abgehört und eingeführt . Dies muss unermüdlich und möglichst täglich geübt, wiederholt und kontrolliert werden. Schon bekannte Gegenstände/Worte aus dem Sachwortschatz können mit zum Abhören genutzt werden. Mit dem Hörtraining soll auch die Unterscheidungsfähigkeit zu anderen Lauten geübt werden.

  • Schritt 4: Zuordnung der Buchstaben zu den Anlauten/Anlautbildern. Hier wird trainiert, welcher Laut zu welchem Buchstaben gehört. Auch schon bekannte Wörter aus dem Wortschatz werden abgehört und dem entsprechenden Buchstaben  zugeordnet. Buchstabenkarten für die kleinen und großen Buchstaben werden ausgeschnitten Die SuS legen eigene Buchstabenhefte an, schneiden aus Zeitschriften/Zeitungen/Katalogen Buchstaben aus, kleben Anlautbilder passend ein, kreisen in Texten gesuchte Buchstaben ein. Wiederholungen und Kontrolle des Gelernten (wie im Buch vorgeschlagen) schließen sich an. Die Vokale werden besonders intensiv trainiert und evtl jetzt schon auf unterschiedliche Länge hingewiesen, bzw. von den SuS selbst in Erfahrung gebracht.

  • Schritt 5: Die korrekte Schreibung der Druckbuchstaben wird vorgestellt. Auch dies muss individuell differenziert trainiert werden.Kurze lautgetreue Worte können gemeinsam geschrieben oder gelegt werden, z.B.  Rose, Oma,  Mama. Dazu können Buchstabenleisten (Setzleisten) gefaltet werden. Die SuS setzten die ausgeschnittenen Buchstaben richtig ein und schreiben das Wort in ihr Heft. Die Schreibung im Buchstabenheft soll oft geübt werden.
  • Schritt 6: Die Wörter in der deutschen Sprache setzen sich aus einer bis zu mehreren Silben zusammen. Beim Lesen einer Silbe zieht oder schleift man zwei Buchstaben zusammen,  d.h. man bildet die Synthese aus zwei Lauten. Wer das verstanden hat, hat die Voraussetzungen, den Lesevorgang zu verstehen und nachzuvollziehen. Silbenteppiche im Chor zu lesen (wie as,  es, is, os, us oder sa, se, si, so, su) eignet sich als gemeinsame Übung. Es empfiehlt sich, den Zeigefinger dabei als Hilfe zu benutzen, um sich die Leserichtung einzuprägen.

  • Schritt 7: Mit dem Silbennachsprechen „Lam pe“  bekommen die SuS ein Gespür für  den Klang und die Betonung der Wörter im Deutschen. Vor- und Nachsprechen und Wörter in Silben zu sprechen oder zu klatschen ist ein effektives Rechtschreibtraining. Es  kann täglich mit neuen Wörtern geübt werden.

 

Nach dem Durchgang der ersten beiden Streifen des Buchstabengeländers wird der 3. Streifen  in gleicher Weise eingeführt. Es folgt die Erarbeitung der weiteren Streifen.  Seltener benutzte Buchstaben des Alphabets, Umlaute und Doppellaute und grammatische Themen wie  Wortarten und Satzbau werden im Anschluss eingeführt.    


 

Differenzierte Leseaufgaben/Leseangebote 

Nachdem die ersten beiden Buchstabengeländer eingeführt wurden, werden hier
8 Lesearbeitsblätter vorgestellt. Es handelt sich um Vorschläge für das Lesetraining mit folgenden Buchstaben: Mm, Ll, Rr, Ff, Ss, Aa, Ee, Ii, Oo, Uu.
Mit diesen Arbeitsblättern kann lautes, leises und auch sinnerfassendes Lesen in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit trainiert werden. Sie stellen differenzierte Leseaufgaben dar und sollen eine Anregung für die Gestaltung ähnlicher Aufgaben sein.

 

 

 

 

 

 

Buchstabengeländer